Robino Rich, Trauredner im Interview
Eine freie Trauung ist kein Standardprodukt, sondern ein bewusst gestalteter Moment, in dem die Liebe gefeiert wird. Darüber berichtet Trauredner Robino Rich im Interview.
Eine freie Trauung ist kein Standardprodukt, sondern ein bewusst gestalteter Moment, in dem die Liebe gefeiert wird. Darüber berichtet Trauredner Robino Rich im Interview.
Wie bist du dazu gekommen, Trauredner zu werden, und was fasziniert dich am meisten an diesem Beruf?
„Ich komme eigentlich aus der Moderation. Ich stehe seit vielen Jahren auf grossen Bühnen, moderiere Shows, arbeite immer mal wieder fürs Fernsehen und führe Menschen durch emotionale Momente. Irgendwann habe ich gemerkt: Genau das fehlt vielen Hochzeiten. Eine echte Führung durch diesen wichtigsten Moment. Entertainment und Liebe, das passt perfekt zusammen. Aber warum gibt es das noch nicht bei freien Trauungen?
Trauredner zu werden, war für mich kein Jobwechsel, sondern eine logische Weiterentwicklung. Mich fasziniert bis heute am meisten, wie nah man Menschen kommen darf. Paare erzählen mir Dinge, die oft nicht einmal enge Freunde kennen. Daraus eine Zeremonie zu formen, die ehrlich, berührend und trotzdem leicht ist, ist ein riesiges Privileg. Um ehrlich zu sein hatte ich auch immer den grossen Traum, später einmal eine eigene Sendung im Fernsehen moderieren zu können. Ich würde heute zwar immer noch nicht nein sagen, aber den Traum muss ich nicht mehr erreichen. Das direkte, ehrliche und berührende Feedback meiner Paare und ihrer Gäste ist für mich viel wertvoller, als jeder Applaus auf einer grossen Bühne. Hier, bin ich wirklich angekommen.”
Echte Geschichten. Echte Emotionen.

Du beschreibst deine Trauungen oft als „filmreif“. Was bedeutet dieses Konzept für dich konkret – und wie setzt du es um?
„Filmreif heisst für mich nicht perfekt oder inszeniert im Sinne von Show. Filmreif heisst Dramaturgie und Überraschungen. Jede gute Geschichte hat Spannung, Pausen, leise Momente und Höhepunkte. Ich arbeite mit bewusster emotionaler Führung. Worte, Pausen, Blicke und Musik greifen ineinander. Wie in einem Film entstehen Bilder im Kopf. Die Gäste sollen nicht nur zuhören, sondern eintauchen. Am Ende soll es sich anfühlen wie ein Moment, den man nie wieder vergisst, egal wie viele Hochzeiten man schon erlebt hat.”
Wenn ihr möchtet, könnt ihr TraurednerInnen auch bitten, Zitate und Redewendungen in ihre Rede einzubinden. Einige Beispiele findet ihr hier.
Wie findest du die richtige Balance zwischen einer sehr persönlichen Zeremonie und einer, die für alle Gäste unvergesslich wird?
„Der Schlüssel ist Ehrlichkeit. Ich schreibe keine Texte, die nur für Gäste oder nur für das Paar bestimmt sind. Wenn eine Geschichte echt ist, erreicht sie automatisch alle im Raum. Ich darf meine Paare über viele Wochen, Monate, manchmal sogar Jahre kennenlernen und sammle so viel mehr Informationen/Geschichten, als ich in den 45 Minuten einer freien Trauung jemals unterbringen könnte. Ich muss also nicht einfach nur einen Text herunterschreiben, sondern kann eine mitreissende Geschichte schreiben, die einfach echt ist. Die mitfühlen lässt und begeistert. Und soll ich etwas verraten? Die meisten meiner Paare behaupten im Vorfeld immer, dass ihre Geschichte total langweilig wäre … Das stimmt nicht. Niemand hat eine langweilige Geschichte. Das Ziel ist es, die wichtigen und entscheidenden Momente zu finden. Das funktioniert eben am besten, wenn ich mir viel Zeit für meine Paare nehmen kann. Wenn ich ihnen vertraue und sie mir. Gleichzeitig habe ich durch meine Moderationserfahrung ein sehr gutes Gespür dafür, wie ich Inhalte so erzähle, dass sie auch für Menschen funktionieren, die das Paar vielleicht weniger gut kennen. Humor, klare Bilder und Emotionen verbinden. So entsteht eine Zeremonie, die intim ist, ohne andere auszuschliessen.”
Musik spielt bei deinen Trauungen eine grosse Rolle. Wie wählst Du die musikalische Begleitung aus und wie integrierst du sie in deine Zeremonien?
„Musik ist bei mir kein Programmpunkt, sondern Teil der Erzählung. Ich arbeite bewusst mit Instrumentalmusik im Hintergrund, die die Stimmung trägt und Emotionen lenkt.
Die Auswahl entsteht aus den Gesprächen mit dem Paar. Ich höre zu, achte auf ihre Geschichte, ihre Dynamik, ihre leisen und lauten Seiten. Traurige Momente bekommen Raum, romantische werden vertieft, freudige steigern sich. Die Musik läuft dabei nicht zufällig, sondern exakt abgestimmt auf das, was gerade erzählt wird. Das öffnet Herzen und macht die Zeremonie intensiv erlebbar. Am besten lässt es sich mit einem Film beschreiben. Wenn die Dialoge in Filmen nicht mit Musik untermalt werden würden, würden die meisten vermutlich nach wenigen Minuten abschalten. Genau das nutze ich bei meinen Trauungen. So entstehen bei wirklich allen Bilder im Kopf und sorgt dafür, dass die Zeit verfliegt.”
Ihr sucht nach Planungstipps für eure freie Trauung? Hier findet ihr sie!
Du arbeitest nicht nur in der Schweiz, sondern international. Welche Unterschiede erlebst du bei Trauungen in verschiedenen Ländern oder Kulturen?
Die Unterschiede liegen weniger in der Emotion als in der Form. Liebe fühlt sich überall gleich an. Aber der Umgang damit ist unterschiedlich.
In manchen Kulturen ist es sehr wichtig, Traditionen zu respektieren, in anderen steht Individualität im Vordergrund. Meine Aufgabe ist es, beides zu verbinden. Ich passe mich kulturell an, verliere aber nie meine Haltung: Die Geschichte des Paares steht immer im Zentrum. Egal ob Schweiz, Europa oder darüber hinaus. Während ich Dir diese Antwort schreibe fällt es mir allerdings schwer, wirkliche Unterschiede zu nennen. Schlussendlich geht es bei allen Paaren um Liebe. Klar hat jedes Paar unterschiedliche Wünsche und Bedürfnisse, gleichzeitig wollen alle Paare einfach nur heiraten.
Wie bereitest du dich auf ein Paar vor, damit du ihre Geschichte so authentisch erzählen kannst, wie sie es sich wünschen?
„Die freie Trauung selbst ist vielleicht zehn Prozent meiner Arbeit. Der Rest ist Vorbereitung. Ich treffe meine Paare über Monate hinweg in mehreren sehr langen Gesprächen. Ich stelle Fragen, die manchmal unbequem sind, aber wichtig. Dadurch entsteht Vertrauen. Und nur so erzählen Paare wirklich ehrlich. Ich schreibe nichts schön und erfinde nichts. Ich verdichte das, was da ist, zu einer Geschichte, die sich echt anfühlt. Authentizität kann man nicht spielen, man muss sie erarbeiten. Das wichtigste ist aber auch, dass ich meinen Paaren das Gefühl geben kann, dass sie gehört werden. Dass sie nicht in einem Interview sitzen, sondern sie sich mit einem Freund zum Abendessen treffen. Wenn ich das schaffe, dann können sich alle Paare öffnen und mir die Informationen liefern, die ich wirklich brauche. Dazu lasse ich die Paare auch an meinem Leben teil haben. Erzähle Geheimnisse und Geschichten. Dadurch entsteht Bindung… Vertrauen… Wertschätzung…”
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Was war eine der emotionalsten oder überraschendsten Erfahrungen, die du bei einer Trauung erlebt hast?
„Es gibt viele emotionale Momente, aber besonders berühren mich immer Geschichten rund um Verlust. Wenn Paare über verstorbene Menschen oder Tiere sprechen, die sie geprägt haben, wird es kurz still im Raum. In solchen Momenten passiert etwas Besonderes: Niemand spielt eine Rolle. Gäste, Paare und auch ich selbst sind einfach Menschen. Wenn ich da selbst Tränen in den Augen habe, lasse ich das zu. Das sind die Momente, in denen man spürt, warum dieser Beruf so besonders ist. Und wenn ich hier schon so ehrlich bin: Gerade bei dem Verlust von Tieren kann ich meine Tränen nur selten zurückhalten. Meine beiden Hunde *Rocco und Roxie* bedeuten mir die Welt und darum verstehe ich genau, was dieser Schmerz bedeutet. Oft fragt man sich, ob es ok ist, Gefühle zu zeigen: VERDAMMT JA! TraurednerInnen sind Menschen, keine Maschinen. Wenn man authentisch und persönlich wirken möchte, dann muss man das auch sein. Mit allem, was dazu gehört.”
Ihr könnt eure freie Trauung wahlweise unter ein bestimmtes Motto stellen.
Einige Anregungen findet ihr auf dieser Seite.
Welche Tipps würdest du Paaren geben, die noch darüber nachdenken, ob eine freie Trauung das Richtige für sie ist?
„Paare sollten wissen, dass eine freie Trauung deutlich teurer ist als eine kirchliche oder rein standesamtliche Hochzeit. Und genau das hat seinen Grund. Eine freie Trauung ist kein Standardprodukt, sondern ein bewusst gestalteter Moment, in dem die Liebe gefeiert wird und zwar ausschliesslich die des Hochzeitspaares. In der Kirche steht oft der Glaube und eine jahrhundertealte Geschichte im Mittelpunkt, in die etwas Persönlichkeit eingebaut wird. Im Standesamt gibt es klare Vorgaben, feste Abläufe und Texte, in denen maximal Namen oder kleine Anekdoten angepasst werden. Die freie Trauung ist die einzige Form, in der das Paar zu hundert Prozent im Fokus steht – ohne Vorlagen, ohne Pflichtinhalte, ohne Kompromisse. Wer sich eine Zeremonie wünscht, die wirklich persönlich ist, die berührt, lacht, ehrlich ist und Emotionen trägt, findet das nur in einer freien Trauung. Im Idealfall wird hier nicht einfach eine Rede gehalten, sondern eine Geschichte erzählt. Eine Geschichte, die die Liebe feiert und die Hochzeit von Anfang an in ein Fest verwandelt: in ein Sommerfest, eine emotionale Feier, eine Party mit den Menschen, die einem am wichtigsten sind. Genauso wichtig ist die Wahl des richtigen Trauredners oder der richtigen Traurednerin. Es geht nicht nur um den Text, sondern um Persönlichkeit, Stimme, Präsenz und Erfahrung. Passt die Art zu sprechen? Fühlt man sich verstanden? Wie erzählt diese Person Geschichten? Wie führt sie durch einen Raum? Und was sagen andere Paare, Gäste und Dienstleister über die Zusammenarbeit? Am Ende ist die entscheidende Frage: Möchte man das, was man „halt so macht“, oder möchte man einen Moment, der bleibt? Eine Erinnerung, die man ein Leben lang mit sich trägt. Wer genau das sucht, wird an einer freien Trauung kaum vorbeikommen.